Wer an Burgen und Schlösser in Deutschland denkt, dem kommen bestimmt zuerst Namen wie das Schloss Neuschwanstein oder die Burg Hohenzollern in den Sinn. Aber Deutschland hat viel mehr zu bieten als diese Klassiker. In Schlüchtern gibt es gleich vier historische Schätze, die alle nur darauf warten, von euch erkundet zu werden! Egal zu welcher Jahreszeit, ein Besuch dieser Schlösser und Burgen ist immer einen Ausflug wert.



Gebrüder Grimm und mehr: Lautersches Schlösschen
Ihr möchtet einen schönen Spaziergang mit einem besonderen Ziel unternehmen? Ihr seid nebenbei auch noch geschichtsbegeistert? Dann ist das Lautersche Schlösschen definitiv eure Adresse! Als ältester erhaltener Profanbau der Stadt Schlüchtern, erstmals im Jahr 1338 als “Steinhus zu Sluchtern” erwähnt, bezeugt das Schlösschen Jahrhunderte voller Geschichten und Ereignisse. Nicht nur dunkle Kapitel wie der Dreißigjährige Krieg prägten das Schloss. Auch die Tatsache, dass die jungen Gebrüder Grimm dort als Kinder ein und aus gingen, verleiht dem Schlösschen eine ganz besondere geschichtsträchtige Atmosphäre.
Heute ist das Lautersche Schlösschen im Besitz der Stadt Schlüchtern und beherbergt das Bergwinkelmuseum. Hier könnt ihr als Besucher eine facettenreiche Grimm-Sammlung bestaunen, darunter Aquarelle, Zeichnungen und persönliche Gegenstände der Familie. Zusätzlich wird das jüdische Leben in Schlüchtern sowie die Geschichte der Seifenfabrikanten Wolf eindrucksvoll dargestellt. Für Eisenbahnenthusiasten unter euch gibt es zudem ein absolutes Highlight: Eine beeindruckende Modelleisenbahnanlage auf 42 Quadratmetern. Diese Anlage zieht nicht nur Kinder, sondern auch alle Junggebliebenen in ihren Bann. Ein Muss für jeden von euch, der das faszinierende Spiel der Miniaturzüge erleben möchte.
Ganz oben: Burg Brandenstein
Die Burg Brandenstein war nicht nur im Mittelalter zu ihrer Blütezeit ein beeindruckendes Bauwerk, sie versetzt auch heute noch Besucher in Staunen. Der Name “Brandenstein” leitet sich von “Bradestein” ab, was im Mittelhochdeutschen “steiniger, steiler Hügel” bedeutete. So trägt sie ihren Namen nicht ohne Grund: Die Burg thront auf einem steinigen und steilen Hügel. Zum Glück werdet ihr belohnt: Seid erst einmal oben angelangt, habt einen faszinierenden Blick über den Main-Kinzig-Kreis. Ihr Baujahr war vermutlich 1243 und sie diente unter anderem als Zufluchtsort während des Dreißigjährigen Krieges. Sie wurde viele Male umgebaut und strahlt heute in besonderem Glanz.
Zwei Museen auf der Burg bereichern heutzutage die Anlage. Das Holzgerätemuseum beherbergt über 800 Objekte von Handwerkern, Bauern und Landfrauen, darunter historische Werkzeuge und Raritäten. Im Siebold-Museum wird an den Japanforscher Philipp Franz von Siebold erinnert, der von 1823 bis 1829 in Japan lebte – eine faszinierende Verbindung zwischen Schlüchtern und dem fernen Osten. Der Garten der Burg umfasst einen artenreichen Laubwald, Streuobstwiesen und einen Gehölz-Lehrpfad. Die Getränkeliebhaber unter euch kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Ihr könnt mit historischen Geräten Bier brauen oder in der Schnapsbrennerei im Burghof zusehen, wie aromatische Brände entstehen. Ein echter Erlebnisort!
Schloss Ramholz (Privatbesitz)
Das Schloss Ramholz wurde erstmals im Jahr 1167 als “Herrenhof derer von Steckelberg” erwähnt. Doch die eigentliche Pracht begann im Jahr 1501, als die Familie von Hutten das “Alte Schloss” errichtete. Das Huttenschloss ist immer noch Teil von Schloss Ramholz und beeindruckt mit architektonischen Meisterleistungen wie den Staffelgiebeln und dem majestätischen Treppenturm. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kaufte der Industrielle Hugo Rudolf von Stumm das Anwesen. Mit viel Liebe zum Detail erbaute er das heutige Schloss Ramholz als Anbau an das alte Schloss und legte einen bezaubernden, 80 Hektar großen Schlosspark an.
Die beeindruckende Architektur von Schloss Ramholz ist ein Mix aus verschiedenen Stilrichtungen, die ihr bei einem Blick auf die Fassaden entdecken könnt:
Sowohl das Schloss als auch der Schlosspark sind heute als Kulturdenkmal geschützt. Leider ist das Schloss Ramholz selbst derzeit nicht öffentlich zugänglich, da es sich in Privatbesitz befindet. Aber keine Sorge, der umliegende Park ist für gemütliche Spaziergänge geöffnet.
Ruine Burg Steckelberg
Die Burg Steckelberg ist die einzige Ruine unter den befestigten Anlagen in Schlüchtern. Ihr Name stammt ebenfalls aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie “steiler Berg”. Ihre Entstehungsgeschichte ist geheimnisvoll, und man ist sich bei vielen Details nicht sicher. Es gibt jedoch Funde, die darauf hinweisen, dass die ursprüngliche Anlage (1131 bis 1391) nicht exakt an der Stelle der heutigen Ruine lag. Im Jahr 1276 ließ König Rudolf I. die Burg nämlich zerstören mit dem Urteil, dass sie nie wieder ohne kaiserliche Erlaubnis aufgebaut werden dürfe.
Ein findiger Trick führte dennoch zum Wiederaufbau: Die Burg wurde einfach ein Stückchen versetzt, einige hundert Meter oberhalb des ursprünglichen Standortes, wieder errichtet – und das ganz ohne kaiserliche Erlaubnis. Im 19. Jahrhundert wurde auch diese Ruine von Hugo von Stumm aufgekauft. Er ließ zwar kein neues Schloss daraus entstehen, sorgte aber für eine Besonderheit: Auf verschlungenen Wegen könnt ihr heute von der Burg Steckelberg direkt zum Schlossgarten von Schloss Ramholz gelangen. Eine schöne Verbindung, oder?
Schlüchterns Schlösser und Burgen sind nicht nur steinerne Relikte, sondern lebendige Geschichtsbücher. Euer erster Besuch wird garantiert nicht euer letzter sein!
FAQ – Eure Fragen schnell beantwortet
- Wer bewohnt das Lautersche Schlösschen heute? Es ist heute unbewohnt und dient ausschließlich als Museum.
- Sind die Burgen barrierefrei zugänglich? Leider ist keines der genannten historischen Bauwerke barrierefrei gestaltet.
- Könnt ihr die Burgen besichtigen? Mit Ausnahme von Schloss Ramholz sind alle vorgestellten Anlagen öffentlich zugänglich.
- Wem gehört Schloss Ramholz? Seit 2014 befindet es sich im Besitz eines internationalen Investors.
- Warum liegen Burganlagen häufig auf Bergen? Das bot wehrtechnische Vorteile: Man hatte den Überblick über heranziehende Feinde.
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